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Ensemble Phorminx

Presse / critics

 

Pressestimme zu IM GARTEN ARMIDAS

Reutlinger General-Anzeiger

Regionale Kultur / 25.05.2001

"Im Garten Armidas"

Neue Musik mit dem Ensemble Phorminx im Tübinger Sudhaus
Zwei Uraufführungen.
Das Ensemble Phorminx leitet seinen Namen vom Ältesten Saiteninstrument der Antike ab, das erstmals in der Ilias und der Odyssee genannt wird. Die Musikerinnen und Musiker beschäftigen sich aber ausschließlich mit neuesten Kompositionen. Das Ensemble bezieht sich in seiner Grundbesetzung mit Sopran (Carola Schlüter), Flöte (Angelika Bender), Klarinette (Thomas Löffler), Violine (Peter Zelienka), Cello (Wolfgang Lessing) und Klavier (Andreas Sommer) auf Schönbergs "Pierrot lunaire" von 1912, einen Meilenstein in der Entwicklung der Musiksprache des 20. Jahrhunderts.
Das erste Stück des Abends im Sudhaus, die "Due poesie francesi d'Ungaretti" (1994) des Italieners Stefano Gervasoni (geb. 1962), wirkte sehr zerrissen: kräftige dynamische Akzente wechselten mit zögernden Toneinwürfen. Im zweiten Teil der Komposition dominierten Bass-Flöte, Klarinette und Singstimme den Satz, Geige, Cello und Klavier übernahmen eine Art Begleitfunktion. Sie wurde durch den energischen letzten Ton, den der Pianist alleine im Stehen anschlug, wieder in Frage gestellt.
Das "Quintett" (1990) des Andalusiers Manuel Hidalgo (geb. 1956) beruht auf einem nekrophilen Gedicht von Ignacio Llamas. Das Zwiegespräch zwischen Klarinette und Flöte verband sich geschickt mit Motivbruchstücken, die nicht wiederkehrten.
Volker Blumenthaler (geb. 1951) hatte seine Komposition "Im Garten Armidas träumt François de Nome", die als Motto für das gesamte Konzert gewählt war, 1991 für Querflöte, Cello und Klavier neu instrumentiert. Die zwei Jahre ältere Fassung bezog sich im Instrumentarium mit Blockflöte, Tenor-Bass-Gambe und Cembalo noch auf die Entstehungszeit des Sujets: ein Traum des sagenumwobenen Malers Desiderio Monsu aus dem frühen 17. Jahrhundert, den der Komponist mit besonders ausdrucksstarken Klängen in Musik gesetzt hatte.
Hans Thomalla (geb. 1972) ergänzte in seinen "Studien über eine Reise" (1998) von Frankfurt nach Berlin, die erst jetzt in Tübingen uraufgeführt wurden, das Ensemble (Sopran, Flöte, Bassklarinette, Cello und Klavier) um ein besonders in den sechziger Jahren häufig verwendetes Zuspieltonband. Zwischen diesen Geräuschen und dem von der Sängerin sehr deutlich artikulierten Text fehlte bis auf die traditionell gestaltete Imitation vom "Rauschen des Windes" jedoch jegliche unmittelbar wahrnehmbare Korrespondenz. Hier hätten vielleicht Erklärungen des Komponisten weitergeholfen.
Die "Eloge" (1993) für Flöte, Klarinette, Violine und Cello des Niederländers Cord Meijering (geb. 1955) überzeugte dagegen durch die langsame und sorgfältig ausgearbeitete klangliche und motivische Entwicklung. Reizvoll war die Gestaltung des Schlusses, der zunächst kurz angetippt wurde, dann in der Krebsform des Beginns erklang.
Die zweite Uraufführung des Abends "Verstellt, ohne Wandlung - Gesangbuch II" stammte von Peter Manfred Wolf (geb. 1958). Die instruktiven Erläuterungen des anwesenden Komponisten ermöglichten den Zuhörern, den dreiteiligen Aufbau des Werks genau nachzuvollziehen. Der fantasievolle Umgang mit den Instrumenten, die kreative Formgestaltung und die originelle Verschachtelung von drei Gedichten ließ diese Komposition besonders gelungen erscheinen. Der große Beifall der zahlreichen Zuhörer im Tübinger Sudhaus galt den Werken und ihrer durchweg vorzüglichen Realisierung durch die ausgezeichneten Musiker.

Ulrike Aringer-Grau Ressort Kultur

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Last Updated: Saturday, June 04, 2005